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Tempelritter

Die Zerstörung des Tempels: Verrat oder Staatskomplott?

Freitag, 13. Oktober 1307 · Der Tag, an dem eine Legende endete

1. Dez. 2025 · 14 Min.
Die Zerstörung des Tempels: Verrat oder Staatskomplott?

Im Morgengrauen des Freitags, dem 13. Oktober 1307, drangen Agenten des Königs von Frankreich gleichzeitig in alle Templerkommenden des Königreichs ein. Innerhalb weniger Stunden wurden Hunderte von Tempelrittern aufgrund erfundener Anklagen verhaftet. Der mächtigste Orden der Christenheit, der zwei Jahrhunderte Krieg im Heiligen Land überstanden hatte, wurde an einem einzigen Tag vernichtet. Nicht durch das sarazenische Schwert. Durch die Verschwörung von Philipp IV. dem Schönen, König von Frankreich, und Klemens V., Papst — ebenfalls Franzose.

Philipp IV. der Schöne: Schulden, Macht und Gier

Um die Zerstörung des Tempels zu verstehen, muss man Philipp IV. von Frankreich verstehen. Er war ein absolutistischer König avant la lettre: Er wollte einen zentralisierten, gehorsamen und reichen Staat. Und er hatte ein ernstes Problem: Er stand tief in der Schuld der Tempelritter. Der Tempel hatte sich von seinen militärischen Ursprüngen zur ausgefeiltesten Bank Europas entwickelt. Philipp schuldete ihnen astronomische Summen für seine Kriege. Die Tempelritter zu eliminieren bedeutete unter anderem, seine Schulden mit einem Streich zu löschen.

Die Anklagen: die Waffe der Schande

Die Anklagen gegen die Tempelritter waren darauf ausgelegt, zu skandalisieren, nicht wahr zu sein. Man beschuldigte sie, Christus während der Aufnahmeriten zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken, einen dämonischen Götzen namens Baphomet anzubeten und obszöne Handlungen zu praktizieren. Die Geständnisse wurden unter Folter erpresst. Viele Tempelritter widerriefen später, als es schon zu spät war.

Am 18. März 1314 wurde Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Tempels, auf dem Scheiterhaufen auf der Île de la Cité vor der Kathedrale Notre-Dame verbrannt. Der Legende nach verfluchte er aus den Flammen heraus den König und den Papst und berief sie vor das Tribunal Gottes vor Jahresende. Philipp IV. starb im November 1314. Klemens V. war im April gestorben. Der Volksglaube über den «Freitag, den 13.» als Unglückstag hat genau hier seinen am weitesten verbreiteten Ursprung.

Verrat oder Staatskomplott?

Die Antwort, die die Geschichte bietet, ist klar: Es war ein Staatskomplott. Es gab keinen internen Verrat — es gibt keine ernsthaften Beweise dafür, dass die Tempelritter irgendeine Ketzerei praktizierten. Es gab königliche Ambitionen, päpstliche Schwäche und einen Justizapparat im Dienst der politischen Macht. In Die Morgendämmerung der Tempelritter ist jener Schatten am Horizont — die Zerbrechlichkeit dessen, was Hugues de Payens mit solchem Opfer gegründet hatte — ein wesentlicher Teil der Atmosphäre der Saga. Weil große Institutionen nicht nur entstehen: Sie sterben auch. Und manchmal auf die schlimmstmögliche Weise.

✠ David S. Matrecano · Autor von «Die Morgendämmerung der Tempelritter»
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✠ David S. Matrecano
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