Vor zweieinhalb Jahrtausenden beschloss ein in Halikarnassos geborener Grieche, die bekannte Welt zu bereisen, mit jedem zu sprechen, dem er begegnete, alles aufzuschreiben — und alles zu schreiben. Sein Name war Herodot von Halikarnassos, und was er schrieb, veränderte für immer die Art und Weise, wie Menschen die Vergangenheit erinnern.
Ein neugieriger Junge in Halikarnassos
Im Jahr 484 v. Chr., in der griechischen Stadt Halikarnassos — einer dorischen Kolonie an der Westküste der heutigen Türkei, seit über einem Jahrhundert unter persischer Herrschaft — wurde ein Junge geboren, dem seine Eltern den Namen Herodot gaben. Er war außerordentlich neugierig, intelligent und von jenem rastlosen Wandergeist beseelt, den man nur bei wirklich freien Seelen findet. Niemand konnte damals ahnen, dass dieser Junge der erste Historiker der Menschheit werden würde, wie wir den Begriff heute verstehen.
Vater der Geschichte oder Vater der Lügen?
Die Frage hat eine ehrliche Antwort: beides zugleich, und genau deshalb bleibt er unersetzlich. Herodot schreibt über fliegende Schlangen in Arabien, über fuchsgroße Ameisen, die in Persien Gold ausgraben, über Phönizier, die Afrika mit der Sonne zur Rechten umsegelten. Er mischt, was er sah, mit dem, was man ihm erzählte, und das, was man ihm erzählte, mit dem, was er für interessant hielt. Plutarch nannte ihn vier Jahrhunderte später schlicht „Vater der Lügen". Aber der Titel Vater der Geschichte — den Cicero ihm verlieh — hat genauso guten Grund: Er war der Erste, der aus der systematischen Untersuchung vergangener Ereignisse eine Disziplin mit eigenem Ansatz machte.
Warum Herodot unverzichtbar bleibt
Ohne Herodot hätten wir nie von Kandaules gehört, dem perversen König, der sein Leben verlor, weil er seiner Leibwache seine nackte Frau zeigte. Wir würden die zoroastrischen Sitten der Perser nicht kennen. Wir hätten keine direkte Beschreibung des pharaonischen Ägyptens des 5. Jahrhunderts v. Chr. Filme wie 300, Troja, Prince of Persia, Disneys Herkules — sie alle kommen von ihm. In meiner Adaption Herodot: Historien Reloaded 2.0 dialogiere ich direkt mit dem Meister in jenen kleinen Einschüben, die den Text durchziehen und die für viele Leser das Unterhaltsamste an den Büchern sind.